Da ein regulärer Betrieb der Olympiabahn in Cortina derzeit nicht möglich ist, mussten die Vorbereitung und das Training auf die neue Weltcup-Saison kurzfristig umgeplant werden. Eine neue logistische Herausforderung für unsere Mannschaft – aber eigentlich nichts Ungewöhnliches. Auf der „Pista Olimpica Eugenio Monti“ in Cortina d’Ampezzo kann frühestens Mitte November wieder gefahren werden. Wenn überhaupt.
Eigentlich hätten unsere Rodler in der letzten Woche auf der Olympiabahn in Cortina ein Wiedersehen mit der Bahn feiern sollen. Doch daraus wurde kurzfristig nichts. Das aktuelle Problem ist dabei keineswegs ein saisonbedingter Defekt an der Kühlung, sondern vielmehr die verspätete Fertigstellung und Übergabe der gesamten Anlage. Damit konnte der ursprünglich für den 19. Oktober geplante Trainingsstart nicht eingehalten werden und wurde auf November verschoben. Doch was ist eigentlich passiert?
Die Olympiabahn in Cortina – noch immer eine Baustelle?
Die notwendigen Bauarbeiten an der Bahn konnten offenbar nicht rechtzeitig abgeschlossen werden. Noch Ende Oktober war die Baufirma Pizzarotti auf dem Gelände tätig. Das eigentliche Problem liegt somit weniger bei einem technischen Defekt der Kühlung, als vielmehr bei der verspäteten Fertigstellung und Übergabe der gesamten Anlage. Laut einem Bericht des Corriere delle Alpi vom 27. Oktober soll die Bahn nun Mitte November 2026 wieder öffnen. Das ist zumindest das erklärte Ziel der neuen Betreibergesellschaft – eine verbindliche Bestätigung für die Wiederaufnahme des Fahrbetriebs gibt es bislang allerdings nicht.
Das Fazit fällt ernüchternd aus: Die Olympiabahn hat zwar die Olympischen Spiele ermöglicht, doch der anschließende reguläre Betrieb funktioniert offenbar noch immer nicht reibungslos. Derzeit geht es vor allem um den Abschluss der Bauarbeiten, die technische Inbetriebnahme, die notwendigen Abnahmen und schließlich die vollständige Übergabe an den Betreiber.
Ein italiensiches Kuriosum
Damit stellt sich zwangsläufig die Frage: Wie kann es sein, dass die Bahn während der Olympischen Spiele fahrbereit und für internationale Wettkämpfe zugelassen war, anschließend aber noch immer nicht für einen dauerhaften regulären Betrieb zur Verfügung steht? Ein Widerspruch, der sich nicht ohne Weiteres erklären lässt. Der entscheidende Unterschied liegt offenbar zwischen einer Anlage, die für ein Großereignis vorübergehend betriebsbereit gemacht wird, und einer vollständig fertiggestellten, technisch abgenommenen und dauerhaft nutzbaren Sportstätte.
Tatsächlich wurden nach den Olympischen Spielen Schäden an der Bahn festgestellt – teilweise waren diese offenbar bereits während der Spiele sichtbar. Bei einer technischen Inspektion Ende Februar 2026 wurden unter anderem beschädigte Leitungen, defekte Abdeckungen, beschädigte elektrische Komponenten und weitere Mängel dokumentiert. Die erste Schadensschätzung belief sich auf rund 1,3 Millionen Euro. Damit blieb die Anlage weiterhin eine Baustelle. Notwendige Reparaturen und noch ausstehende Bauarbeiten verzögerten die endgültige Übergabe zusätzlich. Hinzu kam ein weiteres technisches Problem: Zwar wurde die Kühlzentrale im Oktober bereits übergeben, die Verbindung zwischen Kühlanlage und Bahn sowie die vollständige technische Inbetriebnahme waren zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht abgeschlossen. So kann man nur hoffen, dass im nächsten Jahr vor diesem Hintergrund das geplante Weltcuprennen in Cortina ausgetragen werden kann.
Zufällige scheinbare Parallelen zu Innsbruck/Igls
Besonders interessant ist dabei die unterschiedliche Darstellung der Verantwortlichen: Während der Bauunternehmer im Oktober erklärte, die Bahn funktionstüchtig übergeben zu haben, verwiesen andere Beteiligte auf die noch ausstehende vollständige Übergabe und nicht abgeschlossenen Arbeiten. Dass es unter diesen Umständen auch Streit um die Verantwortlichkeiten gibt, überrascht wenig. Die Stiftung Milano Cortina war während der Olympischen Spiele für den Betrieb zuständig, SIMICO hingegen für die Bauarbeiten und die Wiederherstellung der Anlage. Wer letztlich für die entstandenen Schäden aufkommen muss, ist inzwischen Gegenstand entsprechender Auseinandersetzungen.
Die Parallelen zu Innsbruck/Igls drängen sich zumindest teilweise auf. Auch dort zeigt sich immer wieder, wie komplex der Bau eines Millionenprojekts einerseits, sowie andererseits die Organisation und der langfristige Betrieb einer technisch anspruchsvollen Sportstätte sein können. Ganz zufällig sind die Ähnlichkeiten also vielleicht doch nicht.
Neues Trainingsfenster für unsere Rodler
Dass unsere Mannschaft unterdessen flexibel reagiert und das Beste aus der Situation macht zeigt der neue Trainingsplan. Nach einigen Trainingsfahrten in der vergangenen Woche in Innsbruck/Igls geht es für unsere Rodler heute weiter nach Oberhof. Dort stehen drei intensive Trainingstage auf dem Programm. Am 4. November kehrt die Mannschaft nach Innsbruck zurück, bevor am 8. November für vier Tage Altenberg auf dem Trainingsplan steht. Wenn alles nach Plan verläuft, soll Mitte November die internationale Trainingswoche in Innsbruck/Igls stattfinden. Im Anschluss daran stehen auf der Heimbahn noch die Österreichischen und Tiroler Meisterschaften auf dem Programm. Die Vorbereitung auf die neue Weltcup-Saison bleibt damit eine logistische Herausforderung.
Foto: © FIL/Michael Kristen
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